4. April 2025

Pflegekinder und Pflegeheime: Ein Überblick

In Deutschland und Österreich gibt es zahlreiche Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht bei ihren leiblichen Familien aufwachsen können. Für diese Kinder stehen unterschiedliche Betreuungsformen zur Verfügung, darunter Pflegefamilien, Pflegeheime und Einrichtungen wie das SOS-Kinderdorf. Doch warum entscheiden sich manche für die Pflege und nicht für die Adoption? Und wie viele Pflegekinder gibt es in Deutschland und Österreich?

Pflegekinder sind Kinder und Jugendliche, die vorübergehend oder dauerhaft nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. Gründe hierfür können Vernachlässigung, Missbrauch, Krankheit oder der Tod der Eltern sein. Diese Kinder werden entweder in Pflegefamilien oder in Pflegeheimen untergebracht.

  • Pflegefamilien bieten eine familiäre Umgebung, in der das Kind individuell betreut wird. Ziel ist es oft, dem Kind ein stabiles Zuhause auf Zeit zu geben, bis es entweder in die Herkunftsfamilie zurückkehren kann oder eine andere dauerhafte Lösung gefunden wird.
  • Pflegeheime oder Kinderheime sind Einrichtungen, in denen mehrere Kinder gemeinsam betreut werden. Sie bieten strukturierte Abläufe und professionelle Betreuung durch pädagogisches Fachpersonal.

Das SOS-Kinderdorf ist eine international tätige Organisation, die sich für bedürftige Kinder einsetzt. Gegründet 1949 in Österreich, bietet sie Kindern, die nicht bei ihren leiblichen Familien leben können, ein neues Zuhause in einer familienähnlichen Struktur. In den SOS-Kinderdörfern leben Kinder mit einer SOS-Kinderdorf-Mutter oder -Eltern in einem eigenen Haus innerhalb einer Dorfgemeinschaft. Ziel ist es, den Kindern Geborgenheit und eine stabile Umgebung zu bieten.

Allerdings wurden in der Vergangenheit auch Fälle von Missbrauch und Misshandlungen in SOS-Kinderdörfern bekannt. Ein Bericht aus dem Jahr 2023 deckte auf, dass in einigen Einrichtungen Kinder Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch wurden. Die Organisation hat daraufhin Maßnahmen ergriffen, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Sowohl die Pflege als auch die Adoption bieten Kindern, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, ein neues Zuhause. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede:

  • Pflege: Hierbei übernimmt eine Familie die Betreuung eines Kindes für einen bestimmten Zeitraum. Das Sorgerecht verbleibt in der Regel bei den leiblichen Eltern oder beim Jugendamt. Pflege kann kurzfristig oder langfristig sein, je nach Situation des Kindes und der Herkunftsfamilie.
  • Adoption: Bei einer Adoption übernehmen die Adoptiveltern alle elterlichen Rechte und Pflichten. Das rechtliche Band zu den leiblichen Eltern wird vollständig gelöst, und das Kind wird rechtlich wie ein leibliches Kind behandelt.

Warum entscheiden sich manche für Pflege statt Adoption?

  • Rückkehroption: Bei der Pflege besteht die Möglichkeit, dass das Kind zu seinen leiblichen Eltern zurückkehrt, wenn sich die familiäre Situation verbessert.
  • Flexibilität: Pflege kann eine temporäre Lösung sein, während Adoption eine dauerhafte Verpflichtung darstellt.
  • Rechtliche Aspekte: Nicht alle Kinder sind zur Adoption freigegeben, sodass Pflege die einzige Option ist.

Anzahl der Pflegekinder in Deutschland und Österreich

  • Deutschland: Im Jahr 2023 lebten etwa 87.000 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien. Zusätzlich waren rund 128.000 junge Menschen in Heimen oder anderen betreuten Wohnformen untergebracht.
  • Österreich: Genaue aktuelle Zahlen sind schwer zu finden. Historisch gesehen wurden seit 1951 zwölf SOS-Kinderdörfer errichtet, die zahlreichen Kindern ein Zuhause bieten. Die Gesamtzahl der Pflegekinder in Österreich variiert und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Die Betreuung von Kindern außerhalb ihrer Herkunftsfamilien ist ein komplexes Thema mit verschiedenen Lösungsansätzen. Pflegefamilien, Pflegeheime und Organisationen wie das SOS-Kinderdorf bieten unterschiedliche Modelle, um diesen Kindern ein sicheres und stabiles Umfeld zu bieten. Die Entscheidung zwischen Pflege und Adoption hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Bedürfnisse des Kindes, die rechtliche Situation und die Möglichkeiten der betreuenden Familie.